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Anmerkung des Webmasters: Gedanken zur Zucht
Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich ab und zu die Diskussionsbeiträge (im Stammtisch vom www.bienen.de) zum Thema Bienenrassen lese. Welch ungeheuere Verschwendung von Gehirnschmalz hier zu Tage tritt. Wenn die Diskussionsteilnehmer die gleiche Energie in die Lösung von existenzbedrohenden Problemen in der Imkerei (z. b. Varroa, höhere Honigerträge) einsetzen würden, die deutsche Imkerei bräuchte keinen Vergleich mit ausländischen Honigproduzenten zu scheuen. Ein Imker verlangte in seinem Diskussionsbeitrag gesetzlichen Regelungen zum Schutz einer bestimmten Rasse. Auch diesem Imker dürfte bekannt sein, daß wir in der Europäischen Union leben. Alle Gesetze werden auf EU-Ebene harmonisiert, damit sie in allen Mitgliedsstaaten anwendbar sind. Sie sollen für alle EU-Bürger gleichermaßen gelten. Auch in der Landwirtschaft, auch in der Imkerei. Was würde dieser Imker sagen, wenn die EU ein Gesetz verabschiedet, indem sich die spanischen und französischen Imker durchsetzen würden und die Biene Apis m. mellifera gesetzlich im ganzen EU-Raum vorgeschrieben würde. Nur mehr Fördergelder für die dunkle Biene, nur mehr finanzielle Unterstützung für Belegstellen mit dieser Zuchtrichtung. Ich glaube, Imker die immer zuerst nach dem Gesetzgeber schreien sollten erst mal überlegen, was sie denn da überhaupt fordern. Sie sollten nicht so blauäugig sein und annehmen, daß sich die ganze EU nach ihren Wünschen und Vorstellungen gestalten lässt. In einer Demokratie unserer Prägung setzt sich die Mehrheit durch. Andere Imker fordern in ihren Beiträgen, eine rassereine Biene oder eine reinrassige Biene. Dieser Begriff reine Rasse oder reinrassig ist irreführend, weil es ihn so in der Tierzucht nicht gibt. Es gibt nur Lebewesen die bestimmte Eigenschaften dominant, also um im alten Sprachgebrauch zu bleiben, rein an ihre Nachkommen vererben. Selbst der so geliebte Flügelindex bei der Carnica wird nicht rein weitervererbt, denn sonst müßte bei der Carnica ja immer 3,0 oder so was bei allen Nachkommen herauskommen. Wie wir Alle wissen, gibt es so was nicht. Also nochmals, nicht die gesamte Biene vererbt in ihren Eigenschaften rein weiter, es lassen sich nur bestimmte Eigenschaften rein an die Nachkommen weitergeben. Das ist bei der Buckfastbiene so und das ist bei der Carnicabiene so. Nur niedere Lebewesen, die sich durch eine einfache Zellteilung weiter vermehren können als rasserein oder reinrassig in der Vererbung bezeichnet werden. Der Begriff Rasse wird im Übrigen nur mehr im Hobbytierzuchtbereich verwendet, als z. b. bei den Rassegeflügelzüchtern oder bei den Rassekaninchenzüchtern. Sonst spricht man mittlerweile von Populationen. Weiter werden in Beiträgen die Begriffe Kunstrasse und natürliche Rasse verwendet. Gemeint ist damit, daß die Buckfastbiene eine Kunstrasse wäre und die Carnicabiene eine natürliche Rasse. Wenn wir uns das eben Gesagte über die Vererbung bestimmter Eigenschaften vergegenwärtigen, wird sehr schnell klar, daß dann nach den gemachten Definitionen eigentlich beide Bienenpopulationen \"Kunstrassen\" sind. An beiden hat sich der Mensch züchterisch versucht. Ein nicht auszurottendes Vorurteil scheint der Begriff Hybride im Bezug auf die Buckfastbiene zu sein. Hybriden sind unfruchtbar und sind Kreuzungen zwischen zwei Arten, nicht zwischen zwei Rassen oder Populationen. Also eine Kreuzung zwischen einem Esel und einem Pferd ergibt einen Maulesel, also eine echte Hybride. Das Ergebnis ist unfruchtbar. Eine Kreuzung z. B. zwischen Apis mellifera und Apis cerana gibt es nicht. Gemeint haben die Verfasser wahrscheinlich den Begriff Kreuzungszucht. Auch die Begriffe Erbfestigkeit und Aufspaltung haben in den Diskussionsbeiträgen ihren festen Platz und führen zur einem nicht unerheblichen Maß zur Verwirrung der Leser bei. Hier ein kleines Beispiel, daß die Begriffe Erbfestigkeit, Aufspaltung und Neukombination aufzeigt. Wir haben zwei Bienenpopulationen, von denen eine fruchtbar und schwarmfreudig ist,
die andere nicht fruchtbar , dafür aber schwarmträge. Wir hätten aber
gerne eine Biene, die fruchtbar und schwarmträge ist. Wenn wir immer nur die beiden
Populationen mit den gemachten Angaben weiter vermehren, werden immer nur die in der
jeweiligen Populationen enthalten Eigenschaften weiter vererbt. Es bleibt als Lösung
nur die Kreuzung der beiden Populationen mit anschließender Neukombination der
gewünschten Eigenschaften übrig. In der Tierzucht hat sich eingebürgert
für bestimmte Eigenschaften Buchstaben- oder Zahlensymbole zu verwenden. In unserem
Fall würden die Bienenpopulationen folgendermaßen gekennzeichnet: Kreuzen wir diese beiden Populationen kommt in der F1-Generation folgende Eigenschaftskombination zum Tragen: FF x ffss = FfSs Jedes Elternteil gibt nur einen Chromosomensatz mit den daraufsitzenden Genen weiter. Wird nun FfSs mit sich selbst gekreuzt, ergeben sich folgende Kombinationsmöglichkeiten: Oben stehen die väterlichen links von oben nach unten die mütterlichen Gene (es wird wieder nur jeweils ein Chromosmensatz von beiden Eltern weitergegeben) In der Mitte sind die für dieses Beispiel zu erzielenden Kombinationsmöglichkeiten abgebildet:
Sie sehen, in der Diagonale von links oben nach rechts unten sind sowohl die Eigenschaftskombinationen der Ausgangspopulationen rein weiter vererbt worden, es treten ab auch zwei Neukombinationen auf, die mit sich selbst verpaart auch nur wieder rein weiter vererben. FFss und ffSS. Uns interessiert die Neukombination FFss. Sie ist also fruchtbar und schwarmträge zugleich, genau das, was wir haben wollten. Wenn Sie Königinnen mit den Eigenschaften FFss mit Drohnen derselben Population mit den gleichen Eigenschaften verpaaren, kann nur immer wieder FFss herauskommen, egal was die Emailschreiber mit Aufspaltung, Vermischung und sonst was meinen. Einen Sonderfall gibt es bei den Bienen. Die Drohnen für das genannte Kreuzungsbeispiel gibt es erst in der F2-Generation, da Drohnen ja bekanntlich eine Mutter aber keinen Vater haben. Um die Aufspaltungen für das genannte Kreuzungsbeispiel zu erhalten muß man erst von den F1-Königinnen nachziehen, um Drohnenvölker zu bekommen. Erst dann kann man die Nachkommen der F1 Königinnen mit den Drohnen der F2-Königinnen kreuzen. Nur in den F2-Drohnen treten die gewünschten Aufspaltungen auf. Ein weiteres Problem nicht nur in der Bienenzucht, sondern in der gesamten Tierzucht ist die Tatsache, daß ein Individuum nicht nur zwei Eigenschaften hat, sondern wie im Fall Bienen wahrscheinlich mehrere Tausend. Unter diesen tausendenden von Kombinationsmöglichkeiten auf Anhieb die richtige zu finden, ist zwar nicht unmöglich, sie erfordert aber züchterisches Geschick und eine große Anzahl an Bienenvölkern, um die einzelnen Nachkommen zu testen. Bruder Adam war ein Mann mit großem züchterischem Geschick. Er hat es nicht verdient, daß Imker via Email und Internet derart an der Sache vorbei diskutieren und argumentieren. Es gibt ein passendes Zitat, daß wohl jeder Imker schon einmal gehört
hat und das auf die genannte Problematik besonders zutrifft: |