Bienenwesen

© hanspeter itschner

Arbeiterbienen stammen aus einem winzigen befruchtetes Ei (weiblich), das von der Königin in eine normale Wabenzelle abgelegt wird. Das Ei verwandelt sich am 4. Tag in eine Larve und wird 3 Tage lang mit Futtersaft gefüttert, danach erhalten sie Pollen und Honig. Am 8. Tag verdeckeln die Bienen die Zelle und die Metamorphose setzt sich im Geheimen fort: Die Larve bildet erst einen Kokon, dann eine Puppe, die am 21. Tag schlüpft. Das geflügelte, fertig geformte Insekt zerreisst den Deckel seiner Zelle und ist sofort in der Lage, seine ersten Aufgaben erfüllen.

Andere weibliche Eier werden in so genannte Weiselzellen abgelegt und nur mit Futtersaft ernährt. Daraus entstehen die zukünftigen Königinnen. Die Verdeckelung erfolgt am 8. Tag. Am 16. Tag schlüpft eine junge Königin, die etwa 18 mm lang ist.

Die nicht befruchteten Eier (männlich) werden von der Königin in eine normale Zelle gelegt und bekommen die gleiche Nahrung wie die Arbeitsbienen. Die Verdecklung geschieht am 9. Tag. Die Metamorphose dauert am längsten. Drohnen schlüpfen nach 23 Tagen.

Die Biene kann als einzelnes Wesen nicht überleben, sie braucht die Gemeinschaft. In einem Bienenvolk ist diese bestens organisiert und besteht immer aus einer Königin und aus einige Tausend Arbeitsbienen. Vom Frühling bis Sommer werden sie von Drohnen begleitet. Die verschiedenen Bienenwesen unterscheiden sich durch ihren Körperbau und ihren sozialen Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft. Die Vorteile dieser sozialen Gemeinschaft ist der Bau eines zweckmässigen Brutnests, die bessere Ausnutzung der Ressourcen (Vorräte) und die wirksame Verteidigung gegen Feinde.


Am zahlreichsten im Volk sind die Arbeiterinnen, die weiblichen Bienen, vertreten (je nach Jahreszeit rund 8000 bis 60 000 pro Bienenstock). Sie übernehmen alle Aufgaben, die zum reibungslosen Ablauf des Lebens des Bienenvolkes notwendig sind. So führen Bienen im Laufe ihres im Sommer nur rund 45 Tage dauernden Lebens verschiedene Funktionen aus.
Als Putzfrau reinigt sie während ihrer ersten drei Lebenstage vor allem die Wabenzellen.
Die Futtersaftdrüsen sind bis zum vierten Tag voll entwickelt. Dann füttert sie als Amme vom 4. bis 12. Lebenstag die bis 3 Tage alten Larven mit Gelee Royale, die älteren mit Honig und Pollen.
Als Lagerarbeiterin ist sie vom 13. bis 17. Lebenstag tätig, da muss sie nämlich den Pollen und den Nektar in die Zellen verstauen. Den Nektar zu Honig durch Umtragen eindicken und die wertvollen Fermente aus Ihrer Drüse beimischen. Sie sorgt auch für ein gutes Kleinklima, indem sie ganz schnell mit Ihren Flügel schlägt und dadurch den Stock belüftet, sie verteilt auch Wassertröpfchen zum verdunsten in die Zellen und reguliert somit die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur. Wenn sich ihre 4 Wachsdrüsenpaare am Hinterleib ab dem 12 Lebenstag voll entwickelt haben, wird sie zur Baubiene und baut Wabenzellen.
Als Polizistin vom 18. bis 20. Lebenstag absolviert sie Wachdienst am Eingang zum Stock, um alle Eindringlinge wie fremde Bienen, Wespen, Schmetterlinge oder auch Drohnen von mühsam herumgeschleppten Vorräten fernzuhalten. Ab dem 21. Lebenstag bis zu ihrem Tode fliegt sie Sammelbiene, oder auch Flugbiene genannt, von Blüte zu Blüte, um Nektar und Pollen zu ernten. Andere Bienen suchen Wasser oder Propolis.

Die Faulenzer im Bienenvolk sind die Männchen, man nennt sie Drohnen. Es sind nur einige Duzend bis einige Hundert an der Zahl. Mit ihren grossen Augen und ihrer grösserer, plumperer und haarigerer Statur als die Arbeitsbienen, fallen sie sofort auf. Im Frühjahr und im Sommer findet man diese Schmarotzer im Volk. Ihre Lebenserwartung liegt zwischen 12 bis 60 Tage. Sie besitzen keinen Stechapparat und können somit auch nicht stechen. Ihre Aufgabe besteht darin die Drohnensamelplätze aufzusuchen und auf die Königin zu warten, um sie zu besamen. Nur wenigen gelingt dies. Und zwar während des einzigen und für den Drohn tödlich verlaufenden Hochzeitsflugs, denn durch das Ausstülpen des Samenschlauchs stirbt der Drohn.
Im Sommer bei Trachtende werden die Drohnen sobald sie aus dem Stock geflogen sind, von den Arbeiterinnen nicht mehr eingelassen, da sie nur noch als unnütze Esser erkannt werden. Die noch im Stock verbliebenen Drohnen werden verjagt. Sie können sich nicht alleine ernähren und so verhungern sie. Man nennt dieser Vorgang die Drohnenschlacht.

In einem Bienenvolk kann es mit wenigen Ausnahmen nur eine Königin geben. Sie entsteht in der Weiselzelle, welche eine größere länglicher Form hat, die von den Arbeiterinnen speziell für ihre Weisel gebaut wird. Um den Fortbestand des Bienenvolks zu sichern, sei es zur Ablösung der alten Königin (Umweiseln) oder zur Vermehrung des Bienenvolkes (Schwarm) werden immer mehrere Larven gleichzeitig in den Weiselzellen mit Futtersaft (Weiselsaft) aus den Futtersaftdrüsen gefüttert.
Die zuerst schlüpfende Königin tötet alle anderen Königinnenlarven, denn eine Bienenkönigin kann ihre Herrschaft mit keiner anderen teilen. Schlüpfen zwei Königinnen gleichzeitig, bekämpfen sie sich gnadenlos, bis eine siegt und die Herrschaft übernimmt. Ist die Königin aus dem Schwarmtrieb entstanden, so ist die alte Stockmutter schon mit einem Teil des Volkes als Schwarm ausgezogen. Beim Umweisleln ist sie vielleicht schon gestorben oder wird neben der jungen Königin geduldet.
Drei bis sechs Tage nach dem Schlüpfen geht die junge Königin auf ihren einzigen Hochzeitsflug, auf dem sie sich mehrmals mit etwa einem Dutzend Drohnen vereinigt. Die Begattung wiederholt sich, bis der Samensack der Königin voll ist. Danach beginnt ihr Leben als Eierlegerin . Während ihres vier- bis fünfjährigen Lebens verlässt sie nie wieder den Stock, ausser als Schwarmkönigin, und hat nur eine Aufgabe: ohne Unterlass Eier zu legen und zwar bis zu 2000 pro Tag (das ist 1 Ei pro Minute). Dafür wird sie von den Arbeiterinnen gehegt und gepflegt. Ihre Aufgabe ist es die Nachkommenschaft zu sichern und das Leben im Bienenvolk zu steuern. Um den Zusammenhalt ihres Bienenvolkes zu sichern, sondert sie eine chemische Substanz ab, die man Pheromon nennt und die für jeden Stock spezifisch ist. Bienen nehmen durch Berührung oder durch Lecken diese Substanz auf und erfahren so alle notwendigen Informationen über die Organisation ihrer Arbeit.